Der Haarbach
Verlauf und alte Mühlenstandorte (Aachener Umwelt Rundbrief 61)
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Der Haarbach durchfließt weitgehend unverrohrt den nordwestlichen Aachener Talkessel. Seine Gesamtlänge beträgt fast neun Kilometer und auf dieser Stecke bietet er sehr abwechslungsreiche Abschnitte. Seine frühere Hauptquelle entsprang beim ehemaligen Driescher Hof in Aachen Forst.
Der Driescher Hof war ein münsterisches Ritterlehen, hatte aber auch Liegenschaften auf Schönforster Gebiet, das zu Jülich gehörte. Später gelangte der Driescher Hof in den Besitz des Aachener Dominikanerklosters. 1858 brachte der Aachener Tuchfabrikant Johann Arnold Bischoff den Driescher Hof in eine gemeinnützige Stiftung ein, die die Stadt Aachen verwaltet. Der Hof verschwand bei der Errichtung des neuen Wohngebietes, das weiterhin diesen Namen trägt.

Heute beginnt der unverrohrte Lauf des Haarbachs in den Wiesen zwischen Autobahn und Debeyestraße bei Gut Neuenhof. Dessen Entstehung ist unbekannt, urkundlich wird es erstmalig 1460 in einem Rechtsstreit erwähnt. Der Inhaber des Neuenhofs bezieht sich darin auf eine Urkunde von 1269, die ihm die Waldnutzung auf münsterischem Boden erlaubte. Ursprünglich markierte der Schornstein des zum Gut gehörenden Backhauses einen Grenzpunkt der Gerichtsbezirke Kornelimünster, Eilendorf und Schönforst.

Die erste Mühle am Haarbach befand sich zwischen Gut Neuenhof und dem Haarhof. Die "Harner" Mühle wurde erstmalig zwischen 1229 und 1331 als "molendino harne" erwähnt. Ein Plan von 1646 zeigt die "Harnermühl" zwischen Neuenhof und Haarhof und war dem letzteren wahrscheinlich zugehörig. Das Gebäude der Mahlmühle mit oberschlägigem Rad, soll noch 1996 als Stall des Haarhofs genutzt worden sein.

Driescher Hof, Plan um 1900
Driescher Hof, Plan um 1900    
Der Bach fließt offen in Richtung Eilendorf und wird kurz vor dem Eilendorfer Markt verrohrt. Nördlich des Marktes, an dem Gässchen "Am Bach" taucht er wieder auf, fließt in Richtung Birkstraße und zeigt in diesem Abschnitt, hinter dem Friedhof bis zum Bahndamm ein besonders naturnahes attraktives Erscheinungsbild. Nach der Unterquerung des Bahndamms fließt der Bach in Richtung Nirmer Platz und zeigt auf den folgenden Abschnitten eher das Bild eines Industriebachs.

Nahe dem Nirmer Platz, am Schuttenhofweg 232, stehen die Gebäude der "Nirmer Mühle", auch Fingerhut- oder Vinkenmühle genannt. Das eigentliche Mühlgebäude wurde kurz nach 1835 abgerissen und der Mühlweiher um 1920 zugeschüttet. Heute dienen die verbliebenen Gebäude Wohnzwecken.

Flurkarte von Nirm von 1825
Flurkarte von Nirm von 1825    
Vom Nirmer Platz fließt der Haarbach geradlinig auf die Eilendorfer Kläranlage zu und dient dieser als sogenannter Vorfluter. Das bedeutet, sie fließt an der Kläranlage vorbei und nimmt die gereinigten Abwässer auf. Auf den Gelände der 1979 errichteten und 1993 erweiterten Kläranlage stand früher die "Scheidmühle". Der Name dieser Mühle besagt, dass sie an der Grenze (Scheid) zum Aachener Territorium stand. 1588/1592 wird sie erwähnt als "Muhlgen im scheidtbruech", Vor 1812 wurde sie als Mahlmühle genutzt, ab 1835 war sie Nadelschauermühle, wurde also zum Polieren von Nadeln eingesetzt. Danach wurde sie in eine Tuchrauherei umgewandelt und diente ab 1911 der Produktion von Billardtuchen. Nach 1969 wurde die Mühle abgerissen.

An der Kahlgrachtstr. 54 steht noch heute die "Kahlgrachtmühle". 1453 erstmalig erwähnt wurde sie ursprünglich als Mahlmühle genutzt. Ab der Mitte des 16.Jahrhunderts wird sie als Kupfermühle bis etwa 1670 betrieben. Danach diente sie wieder als Mahlmühle bis zur Einstellung des Betriebs wegen Kriegsschäden im Jahr 1944. Zuletzt besaß die Mühle ein oberschlägiges Eisenrad.

Die "Welsche Mühle" in Haaren, an der Mühlenstraße 19, ist die einzige Mühle in Aachen, deren oberschlägiges Mühlrad noch in Funktion bewundert werden kann. Ihre erste Erwähnung findet die Mahlmühle 1452. Im Laufe der Geschichte wird sie auch Mühle zu Ober- oder Überhaaren genannt. 1830 wird sie als Farbholzmühle betrieben, 1861 wieder als Mahlmühle. 1976 wird sie einschließlich Rad und Mahlwerk restauriert.

Der Haarbach fließt weiter in Richtung Haarener Markt, wo er kurzzeitig unter der Erde verschwindet und am Tuchmacherweg wieder auftaucht. Auf den letzten Metern entlang des Tuchmacherwegs bis zur Einmündung in die Wurm wurde der Bach renaturiert.

Birgitta Hollmann

Haarener Markt mit offenem Haarbach
Der Haarener Markt mit offen fließendem Haarbach