Bürger- und Jugendpark Moltkebahnhof |
| Seit dem Jahr 2000 ist er offiziell in die Liste der Aachener Parkanlagen eingereiht und doch kennen ihn selbst viele Bewohner des angrenzenden Frankenberger Viertels nicht. Denn der einstige Güterbahnhof liegt versteckt zwischen Bahndamm, Maria-Montessori-Gesamtschule und Frankenberger Burg. Wer allerdings einen schön gepflegten Park mit Blumenrabatten erwartet, wird überrascht sein. Neben großzügig angelegten Spiel- und Sportplätzen zeichnet sich das Gelände durch eine im Aachener Stadtgebiet einzigartige Wildnis aus. |
Der Güterbahnhof um 1985 |
Das ehemalige Güterbahnhof-Gelände schmiegt sich an den Dammfuß der Bahnlinie über das Gillesbach-Tal. Die Zufahrt der
Züge erfolgte vom Bahnhof Rothe Erde aus, der Abtransport der Güter über Moltkestraße und Bergische Gasse. Obwohl es sich bei dem alten Bahnhofsareal
um ein vollständig künstlich durch den Menschen umgeformtes Gelände handelt, finden wir auf dem verbliebenen Reststück ansonsten im Aachener Stadtgebiet
so seltene Standort-Bedingungen vor, daß sich hier ungewöhnlich zahlreiche und seltene Pflanzen und Tiere angesiedelt haben. |
| Mehr über die Standortbedingungen auf dem Moltkebahnhof und seine Pflanzen- und Tierwelt, sowie über unser Angebot hierzu erfahren Sie hier: |
Geschichtliche Entwicklung |
Das Gelände des späteren Moltkebahnhof auf einer Karte von 1885. Der Gillesbach fließt unter dem Bahndamm durch zur Burg Frankenberg.
An seinem Ufer liegen ein Bierkeller und eine Brauerei. |
Rückblick
Der Güterbahnhof wurde 1892 im Rahmen der Neustrukturierung der Aachener Bahnhöfe angelegt, gut 50 Jahre nach dem Bau der Eisenbahnlinie
Köln - Aachen - Antwerpen. Bis dahin dürfte es sich um einen recht idyllischen Ort gehandelt haben. Die weite Landschaft mit Wiesen und Äckern wurde vom
Gillesbach durchflossen, der auch die breiten Wassergräben der Burg Frankenberg speiste.
Anfangs erhoben die Aachener gegen das Bauvorhaben lautstark Protest, denn das Gelände gehörte zur damals noch selbstständigen Stadt Burtscheid. Auch befürchtete man negative Auswirkungen auf das gerade im Entstehen begriffene, noble Wohngebiet des Frankenberger Viertels. Gebaut wurde trotzdem - schon damals hatten wirtschaftliche Belange Vorrang. |
Etwa ab Mitte 1960, nach dem Einstellen des Bahnbetriebes, wurde das Gelände entweder als Gewerbefläche genutzt oder lag brach.
Viele Jahre verbrachte der nur schwer zugängliche, ehemalige Güterbahnhof in einer Art Dornröschenschlaf. Ins Interesse der Öffentlichkeiterst rückte
er wieder in den 80er Jahren. Mal sollte er das Kernstück einer Landesgartenschau im Jahre 2000 werden, mal als Gewerbefläche oder für die Bebauung mit Wohnungen
freigegeben werden. Das Ökologie-Zentrum, das seit Jahren ökologische Führungen durch das Gelände anbot, setzte sich für eine Erhaltung als
städtisches Biotop und Wildnis-Erlebnisraum ein und beteiligte sich mit einer Zukunftswerkstatt an der Diskussion. Einige der dabei entwickelten Ideen, wie die lange
Rutsche von der Brücke Erzberger Allee, sind später sogar umgesetzt worden. |
Der brachliegende Güterbahnhof um 1990. "Stell Dir vor ... bei Dir um die Ecke gibt es ein großes Gebiet mit Güterbahnanschluß und am Ende eine Baustoffhandlung. Was man/frau da alles machen kann!?" |
Februar 1999: Da wurde ganze Arbeit geleistet. Fast alle Gleise wurden herausgerissen und sind verschwunden. Zurückgelassen wurde ein wüstes
Durcheinander. Den seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten hat es zum Glück nicht sehr geschadet. Nur dass wir jetzt ein Gleisbiotop ohne Gleise haben. |
Die Situation heute
Letztendlich wurde je ein Drittel des Geländes für Gewerbe und für die neue Gesamtschule genutzt. Das letzte Drittel blieb als Park unbebaut, doch leider
mußte auch auf diesem Teilstück noch ein erheblicher Anteil der ursprünglichen Wildnis diversen Spiel- und Sportanlagen ("Aktionsbereich") weichen.
Die Tier- und Pflanzenartenvielfalt ist immer noch sehr hoch, z.T. haben sich neue Arten eingestellt. Leider ist die Standortvielfalt nicht mehr so breit wie vor der
Umgestaltung, zu viel wurde mit schwerem Gerät planiert und "bereinigt". Auch finden sich nur noch wenige Erinnerungen an die einstige Nutzung,
denn die meisten Gleise wurden von Unbekannten (?) ohne Genehmigung herausgerissen und abtransportiert. Geblieben sind die Schotter-Betten und die Ladestraße aus
Basaltpflaster-Steinen sowie einige alte Bauelemente. |
Ausblick
Wie sich das Gelände in Zukunft entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Da die gehölzfreien Biotope seinen besonderen Reiz ausmachen,
sollte dieser Zustand auf Dauer erhalten bleiben. Ein Problem für die Natur ist der mittlerweile starke Besucherverkehr und die Beliebtheit als Hundeklo.
Eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Besucher ist jedoch nicht vorgesehen, denn NaturERLEBEN in der Stadt ist uns sehr wichtig, gerade für Kinder und
Jugendliche. Das Ökologie-Zentrum wird sich zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) auch in Zukunft um dieses ökologische Kleinod
kümmern. Wir bieten Führungen und Exkursionen über das Gelände an, beobachten die weitere Entwicklung und führen bei Bedarf Pflegeaktionen u.
ä. durch. |
Blühende Pracht im Sommer 2003: Hornklee, Johanniskraut, Schafgarbe und Lichtnelke |
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